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Mühle Laar bei Zierenberg

Die Mühle Laar, die in den letzten Jahren vom Aus-und Fortbildungsverbund im Landkreis Kassel (AuF) saniert wurde, ist nach Auflösung des AuF vom Hessischen Wasserverband Diemel übernommen worden.Der Pachtvertrag mit dem Eigentümer besteht für die Restlaufzeit des bisherigen Vertrages.
Öffnungszeiten werden durch den Heimatverein Zierenberg sichergestellt.

Das Projekt Mühle Laar

Geleitwort zum 400. Jubiläum
von
Landrat Dr. Udo Schlitzberger, Vorsitzender des AuF e.V.

Die herrschaftliche Mühle Laar im Warmetal zwischen der Stadt Zierenberg
und dem Caldener Ortsteil Obermeiser gelegen, gehört zu den historisch wie architektonisch markanten Mühlengebäuden in Hessen.

Als Getreide und Ölmühle 1599 erbaut von Hermann von der Malsburg und seiner Gemahlin Anna, geborene von Kanstein, hat sie über vier Jahrhunderte eine wechselhafte Geschichte von wirtschaftlicher Blüte bis zum drohenden Verfall erlebt.

1688 verkaufen die Erben des Rabanus von der Malsburg das GutLaar an Landgraf Carl von Hessen. In der Folgezeit wird sie in der Regel für jeweils 6 Jahre an Müllerfamilien verpachtet. Nach mehreren Eigentümerwechseln erwirbt 1902 der preußische Staatsminister Wilhelm von Starck das Gut Laar mitsamt dem seit 1844 nicht mehr für Mahlzwecke genutzten Mühlengebäude.

Schon 1903 werden das 1790 erbaute Herrenhaus wie auch die Mühle vom neuen Eigentümer saniert und modernisiert. Die Wasserkraft der Warme wird nunmehr zur Stromerzeugung für das Gut Laar genutzt. Bis ins Jahr 1959 produziert die Mühle Strom, ihr Obergeschoß wird noch bis 1970 für Wohnzwecke verwendet.

Danach steht das denkmalgeschützte Gebäude ungenutzt leer undes beginnt ein bedrohlicher Zerfallsprozess. Mehrere Sanierungs sowie Umsetzungskonzeptionen werden in den 70er und 80er Jahren erörtert, geplant, aber nicht realisiert. Um die historische Substanz des Gebäudes zu sichern, ordnet die Denkmalbehörde des Landkreises Kassel 1986 eine Ersatzvornahme zur Sicherung des teilweise eingestürzten Daches an.

Nach intensiven Gesprächen mit den Eigentümern, der Familie von Starck, pachtet der Aus und Fortbildungsverbund (AuF) im Landkreis Kassel e.V. 1992 die Mühle mit dem Ziel einer Sanierung des Gebäudes und der Reaktivierung der Mühle zur Stromerzeugung. Noch 1992 beginnt der AuF mit Aufräumungs und Sanierungsarbeiten. Finanziell unterstützt wird das Projekt "Alte Mühle Laar" vom Land Hessen, dem Landkreis Kassel und der Arbeitsverwaltung Arbeitsamt Wolfhagen. Seit 1994 wird in Laar mit Unterstützung der EAM wieder Strom erzeugt und in deren Netz eingespeist.

Voraussetzung für die Reaktivierung der Stromerzeugung aus Wasserkraft der Warme war die Rekonstruktion des Mühlrades sowie die Installation eines Generators mit moderner Steuerungstechnik im historischen Mühlraum. Saniert und teilweise rekonstruiert werde mussten auch das Stein und Holzgerinne des Mühlgrabens und das Warme Stauwehr an dessen Abzweigung ca. 500 m oberhalb der Mühle.

Seit 1994 wird jeweils am Pfingstmontag, dem "Deutschen Mühlentag", ein Tag der offenen Tür organisiert. In diesem Jahr wird dieser Tag verbunden mit der offiziellen Eröffnung eines kleinen Mühlen Museums im Rahmen der 400 Jahr Feier der Mühle Laar. Im Mühlenmuseum werden Originalexponate aus der Museums Mühle gemeinsam mit Ausstellungsstücken aus nord und südhessischen Mühlen gezeigt.

Das Projekt "Mühle Laar" ist ein Musterbeispiel für die Vernetzung von aktivierender Denkmalpflege, qualifizierender Beschäftigungspolitik, regenerativer Energienutzung und lebendiger musealer Präsentation. In diesem Sinne hat das Projekt Modellcharakter. Dies wurde bereits 1994 durch die Verleihung des Hessischen Denkmalschutzpreises auf Vorschlag des hessischen Landeskonservators Professor Gottfried Kiesow gewürdigt.

An der Verwirklichung des Projektes haben in der Planungs und Realisierungsphase viele Menschen haupt und ehrenamtlich engagiert gearbeitet. Für dieses Engagement sei stellvertretend für viele Ungenannte herzlich gedankt unserem Bezirkskonservator Dr. Hans Jochachim Haaßengier sowie Uli Köster von der Denkmalpflege des Landkreises Kassel, den Dipl.Ingenieuren Karl Heinz Gerland, Wolfhard Fischer (†) und Joachim Döring sowie der Projektleiterin Marianne Schlitzberger.
Dank gilt der Familie von Starck für Unterstützung und Verständnis während der mehrjährigen Sanierungsarbeiten und nicht zuletzt dem aktiven Grebensteiner Müller Hans Konrad Hold für sachkundigen Rat und tatkräftige Hilfe bei der Gestaltung des Museums. Besondere Würdigung soll auch das ehrenamtliche Engagement des ehemaligen AuF Mitarbeiters Schreinermeister Wilhelm Weinrich finden, der u.a. die Mühle Laar im Deutschen Mühlenverein vertritt.

Besondere Anerkennung verdient die Arbeit der Anleiter, die seit 1992 gemeinsam mit ihren jeweiligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zum Teil unter schwierigsten Bedingungen die Mühle Laar vor weiterem Verfall bewahrt und in mühsamer Handarbeit zu neuem Leben erweckt haben. Möglich war dies nur durch großen persönlichen Einsatz in Kooperation mit qualifizierten Handwerksbetrieben aus der Region, die bei Sanierung und Rekonstruktion hervorragende Arbeit geleistet haben.

400 Jahre nach ihrer Erbauung 1599 strahlt die Mühle Laar zur Jahrtausendwende in neuem Glanz, erzeugt ökologisch vernünftig Strom aus regenerativer Wasserkraft und bereichert als ein historischer und archltektonischer Anziehungspunkt die positive Entwicklung des Warmetals.

Möge sich diese Entwicklung im Sinne eines "sanften Tourismus" fortsetzen; eine Entwicklung, die historisch Wertvolles und ökologisch Sinnvolles bewahrt und reaktiviert, um es als Erlebnis und Lernort auch für die Zukunft erfahrbar zu machen.

Laar, im Mai 1999







Die Mühle Laar mit dem Mühlengraben


Das Mühlrad


Wappen von Hermann von der Malsburg an der Mühle Laar






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